Smartphone in Venedig verloren
Der Albtraum des modernen Reisenden:
Das Smartphone in Venedig verloren
Es beginnt mit einem harmlosen Griff in die Jackentasche. Dort, wo eben noch das Smartphone lag, ist nichts. Man tastet erneut, durchsucht die Hosentasche, den Rucksack, legt alles auf den Tisch eines Cafés am Campo Santa Margherita. Nichts. In einer Stadt ohne Straßennamen, ohne erkennbares Raster, ohne jede automobile Orientierungshilfe ist das Smartphone längst mehr als ein Kommunikationsgerät. Es ist Karte, Schlüssel, Geldbörse und Gedächtnis in einem. Und es ist weg.
...die Kettenreaktion...
Was folgt, ist keine einzelne Unannehmlichkeit, sondern eine Kettenreaktion, deren Ausmaß man erst in diesem Moment begreift. Venedig besteht aus über 100 Inseln, verbunden durch Hunderte von Brücken und Gassen, die sich in keinem erkennbaren Muster anordnen. Ohne digitale Karte wird der Rückweg zur Unterkunft zu einem ernsthaften Problem – besonders wenn man die Adresse nicht auswendig kennt, weil sie als Buchungsbestätigung nur in der E-Mail liegt, die jetzt unerreichbar ist.
Der nächste Dominostein fällt beim Thema Tickets. Vaporetto-Fahrkarten, Museumseintritte, eventuell sogar der Rückflug – alles digital gespeichert, alles an das Gerät gebunden. Am Schalter ohne Buchungsnummer zu stehen erzeugt eine Hilflosigkeit, die man als organisierter Reisender nicht für möglich gehalten hätte.
...dann das Banking....
Überweisungen, Kartensperrungen, sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung für das Online-Banking laufen über das Smartphone. Ohne das Gerät fehlt nicht nur die Banking-App, sondern auch der Zugang zum SMS-Code, den viele Banken als zweiten Faktor verlangen. Wer im Ausland ohne funktionierende Zahlungsmittel dasteht, hat ein Problem, das sich nicht mit einem Lächeln am Hotelempfang lösen lässt.
Und die Fotos – die Aufnahmen vom Markusplatz im Morgenlicht, vom Sonnenuntergang über der Lagune – existieren möglicherweise nur auf diesem einen Gerät, weil man die automatische Sicherung nie eingerichtet hat. Nur rund ein Drittel der Smartphone-Nutzer sichert seine Daten regelmäßig. Zwei Drittel riskieren im Ernstfall den vollständigen Verlust.
Bleibt die Kontaktaufnahme zu Mitreisenden. Telefonnummern hat heute kaum noch jemand im Kopf. Die gesamte Koordination – Treffpunkte, Planänderungen, selbst ein schlichtes „Wo bist du?" – läuft über Messenger-Dienste, die ohne Smartphone nicht erreichbar sind. Wer in Venedigs Gassenlabyrinth ohne Telefon nach seinen Begleitern sucht, kann einen ganzen Tag verlieren – oder den Nerv.
...wie man sich vorbereitet...
Die gute Nachricht:
Die meisten dieser Szenarien lassen sich durch wenige Maßnahmen vor der Abreise entschärfen. Keine davon ist aufwendig, aber jede einzelne macht den Unterschied zwischen einer ärgerlichen Situation und einer echten Krise.
Zunächst sollte man die Adresse der Unterkunft, die wichtigsten Buchungsbestätigungen und mindestens zwei Notfallkontakte in Papierform mitführen. Das klingt altmodisch, funktioniert aber zuverlässig und unabhängig von Akku und Empfang. In einer Stadt, in der Mobilfunkempfang in manchen engen Gassen ohnehin lückenhaft sein kann, ist Papier die stabilste Technologie. Ebenso empfiehlt es sich, Kopien von Reisepass und Personalausweis digital in einer Cloud abzulegen, die man auch von einem fremden Gerät aus erreichen kann.
Die automatische Fotosicherung in der Cloud sollte vor jeder Reise aktiviert und einmal getestet werden. Das dauert zwei Minuten und schützt Erinnerungen, die sich nicht wiederholen lassen. Gleiches gilt für die Displaysperre und die Fernortungsfunktion des Geräts – beides setzt voraus, dass man es vor dem Verlust einrichtet, nicht danach. Wer die Ortung aktiviert hat, kann das Smartphone im Idealfall aus der Ferne sperren oder die Daten löschen.
Für die Bankkonten lohnt sich die Notiz der Sperrnummern auf einem separaten Zettel. Die Nummern der deutschen Kartensperrzentrale - Deutschland (gebührenfrei): 116 116 - und der eigenen Bank sollten griffbereit sein, ohne dass man dafür ein Smartphone braucht.
Schließlich gehört zur Vorbereitung auch die Absicherung des Geräts selbst: regelmäßige Updates, eine aktive Displaysperre und eine Sicherheitssoftware, die Schadsoftware erkennt, bevor sie Schaden anrichtet. Wer unsicher ist, welche Lösung sich eignet, findet über einen kostenlosen Virenschutz-Test einen unkomplizierten Einstieg, um verschiedene Optionen zu vergleichen, bevor man sich festlegt.
Vorsorge statt Vertrauen
All diese Maßnahmen haben eines gemeinsam: Sie kosten wenig Zeit, aber sie erfordern, dass man sich vor der Reise mit dem Gedanken auseinandersetzt, dass etwas schiefgehen kann. In einer Stadt wie Venedig, in der die Schönheit so allgegenwärtig ist, dass man leicht vergisst, auf seine Taschen zu achten, ist diese Vorbereitung keine Übervorsicht. Sie ist schlicht die Voraussetzung dafür, dass ein verlorenes Telefon eine Anekdote bleibt – und kein Desaster wird. Venedig hat genug Drama zu bieten. Das eigene muss man nicht mitbringen.